Nachlese: Kandidatenforum zur Seniorenpolitik

Zuerst einmal, danke für die rege Teilnahme an der Veranstaltung. Die mit weit über 100 Besucherinnen und Besuchern gut gefüllte Aula hat gezeigt, wie wichtig das Thema ist.

Leider, muss man fast sagen, sind wir thematisch doch eher an der Oberfläche geblieben. Viele Themen wurden, wenn überhaupt, nur kurz angefasst. Mir haben Fragen zur Gesundheitsversorgung, zur Pflege und Pflegeberatung, zur Stärkung des ehrenamtlichen Engagements, zum Aufbau und Nutzen von Netzwerken und vielen weiteren Themen gefehlt. Darum hier in Kürze einen Überblick über meine Vorstellungen zur Seniorenpolitik.

Interessen und Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren erfassen und in den politischen Entscheidungsprozess bringen

Es stellt sich schon die Frage, ob es eine extra Politik für Seniorinnen und Senioren braucht. Würde es nicht ausreichen eine gute Politik für alle zu machen? Ich denke es braucht eine Seniorenpolitik. Denn Seniorinnen und Senioren haben spezielle Bedürfnisse und Interessen. Daraus ergibt sich auch schon der erste Schwerpunkt von Seniorenpolitik. Das Erkennen und Erfassen von Bedürfnissen und Interessen. Hierfür braucht es feste Ansprechpartner und Netzwerke, die diese Bedürfnisse formulieren und in den politischen Prozess bringen. Netzwerke brauchen aber auch Koordination und dies kann nicht im Ehrenamt erfolgen. Hier ist hauptamtliche Unterstützung seitens der Gemeindeverwaltung gefragt. Genauso wie Räume zur Verfügung stehen müssen, um Netzwerke zu bilden.

Mit dem Seniorenbeirat hat die Gemeinde ein Gremium etabliert, welches ehrenamtlich die Interessen der Seniorinnen und Senioren der gesamten Gemeinde vertritt. Aber Netzwerke können auch viel kleiner sein. Ich denke hier an Nachbarschaftsgruppen, welche vor allem ihre lokalen Bedürfnisse formulieren können, sich aber auch gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite stehen können. Aber auch größere Netzwerke sind nötig. Die Gemeindeverwaltung, Pflegeeinrichtungen und -anbieter, Vertreter der Kranken- und Pflegekassen, Ärztinnen und Ärzte und andere sollten sich regelmäßig zu einem Runden Tisch zusammenfinden, um gemeinsam über Probleme und mögliche Lösungen zu sprechen.

Barrierefreiheit

Lesen Sie dazu auch meinen Artikel zur Barrierefreiheit auf meiner Webseite.

Den Worten müssen auch Taten folgen. Eine Übersicht über Problemstellen in der Gemeinde liegt vor. Diese muss vervollständigt und in einen Maßnahmeplan umgesetzt werden. Sinnvoll wäre es, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter der Verwaltung sich zu diesem Thema spezialisiert, die Verantwortung für diesen Themenbereich übernimmt, den Maßnahmenkatalog bearbeitet und Beratung und Unterstützung auf dem Weg zur barrierefreien Gemeinde anbietet.

Weiterhin ist ein Fond angebracht, über welchen die Gemeinde anteilig Maßnahmen/Umbauten in privaten, öffentlichen Einrichtungen finanziert. Ich denke hier im Besonderen an Rampen oder Treppenlifte, aber auch der Bau von öffentlich nutzbaren WCs ist vorstellbar.

Gesundheits- und Pflegeversorgung

Hier muss die Gemeinde eine koordinierende Rolle übernehmen und mit den Anbietern sowie Pflege- und Krankenkassen ins Gespräch kommen. Die Aufrechterhaltung der medizinischen und pflegerischen Versorgung betrifft alle Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde. Hier sollte zumindest ein gegenseitiger Informationsaustausch erfolgen, um sich anbahnende Mängel oder Versorgungslücken zu erkennen und falls nötig zu handeln.

Pflegeberatung

Mit dem Pflegestärkungsgesetz 3 haben Kommunen gegenüber den Pflegekassen das Initiativrecht auf die Einrichtung von Pflegestützpunkte, welche Pflegebedürftigen oder deren Angehörigen Beratung anbieten. Die Gemeinde sollte diese Möglichkeit nutzen, solange sie verfügbar ist. Wer je in der Situation war, sich mit dem Thema Pflege auseinanderzusetzen, weiß wie komplex und undurchsichtig die verschiedenen Unterstützungsangebote und -leistungen sind. Hier ist kompetente Beratung nötig. Mit der Einrichtung einer Sozialberatung hat die Gemeinde einen ersten Schritt unternommen. Dies muss ausgebaut werden.

Förderung ehrenamtliches Engagement

Seniorinnen und Senioren sind eine wichtige Stütze der Gemeinde. Die Vereine des Doppeldorfes prägen das soziale, kulturelle, und sportliche Leben im Doppeldorf. In vielen Vereinen wäre eine Arbeit, ohne die tatkräftige Unterstützung der ehrenamtlich tätigen Seniorinnen und Senioren, nicht möglich. Dies verdient Anerkennung und Unterstützung. Dazu muss die Gemeinde Räume und Plätze unkompliziert zur Verfügung stellen. Ebenso sollte der Verwaltungsaufwand so gering wie möglich gehalten werden.

Bildung, Prävention und Information

Wie heißt es so schön? Man lernt nie aus. Daher sind ein Bildungsangebote auch für unsere älteren Mitbürger unerlässlich. Gleichzeitig können andere aber auch von den Lebenserfahrungen der Seniorinnen und Senioren profitieren. Denkbar wären hier Kooperationen mit den Schulen der Gemeinde. Im Austausch für Computer- oder Smartphonekurse können Interessierte als Zeitzeugen im Rahmen des Geschichtsunterrichts, oder mit speziellen handwerklichen oder geistigen Fähigkeiten im Rahmen von Projekten zur Verfügung stehen.

Weiter müssen vorhandene Informations- und Präventionsangebote besser genutzt werden. Als Beispiel sind hier Präventionsangebote der Polizei oder Angebote von Bildungsvereinen zu nennen. Aber auch dies bedarf einer hauptamtlichen Koordination.

Infrastruktur

Das Thema Wohnen ist in der Veranstaltung etwas näher beleuchtet worden. Neben einer intensiven und offenen Suche nach Investoren für den Bau von altersgerechten Wohnungen, sollten die Möglichkeiten alternativer Wohnformen nicht außen vor gelassen werden. Häuser mit mehreren Wohnungen können auch in Form einer Genossenschaft, oder anderen Formen, durch diejenigen, die darin wohnen wollen, errichtet werden. Hierfür braucht es aber auch Beratung und Unterstützung, Dies muss die Gemeinde in Teilen leisten, bzw. an geeignete Stellen verweisen können. Sollte eine Suche nach Investoren nicht erfolgreich sein, finde ich es durchaus berechtigt, dass die Gemeinde selber baut. Warum sollte eine Gemeinde wirtschaftlich nicht in der Lage sein, eigene altersgerechte Wohnungen zu errichten und zu vermieten. Viele Andere auf dem freien Markt schaffen dies auch.

Öffentlicher Nahverkehr

Zum Nahverkehr finden Sie hier einen Artikel auf meiner Webseite.

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